Becher oder Tasse? Hauptsache, es steht was drauf.

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Becher oder Tasse? Hauptsache, da steht was drauf!

Veröffentlicht am 9. August 2019

Kaum ein Artikel wird so ausgiebig bedruckt – mit skurrilen Statements, knackigen Slogans, tiefgründigen Lebensweisheiten, quietschbunten Logos und fragwürdigen Fotomotiven. Aber was macht den Becher eigentlich zum idealen Werbeträger? Und überhaupt: Was unterscheidet ihn wirklich von der Tasse?

Eigentlich deutet das Verb „bechern“ es ja schon an: In den Becher gehört eine ordentliche Menge Flüssigkeit. Zum Beispiel Kaffee am Morgen. Oder Wasser, wenn es heiß ist. Oder auch Alkohol, wenn es die Situation erfordert … All das könnte natürlich auch die Tasse leisten, aber irgendwie auch nicht: Die Tasse kommt zivilisierter und zurückhaltender daher, fast ein wenig britisch. Und nicht selten tritt sie sogar im Team mit der Untertasse auf – einem Produkt, das so manchem aus der Generation Z nicht mehr allzu vertraut sein dürfte. Dafür haben Tasse und Untertasse im Gegensatz zum Becher immerhin ihren festen Platz im Kaffeeservice.

Macht der Henkel den Unterschied?

Ab wann aber darf sich denn nun ein Trinkgefäß zu Recht Becher nennen? Auf wiktionary.org (1) heißt es dazu zum Beispiel: „Ein „Becher“ ist für einen Ostdeutschen meist ein Trinkgefäß aus Kunststoff; ein weiteres Merkmal eines „Bechers“ ist das Fehlen eines Henkels.“ Woanders sieht man das nicht so: Für viele ist der Becher eher ein Gefäß aus Keramik, das ruhig mit einem Henkel ausgestattet sein darf. Bei Wikipedia differenziert man dann weiter – zum Beispiel in Sachen Inhalt (kalte oder warme Getränke?) und Form (Zylinder oder gestürzter Kegel?). Wir allerdings brechen die Diskussion an dieser Stelle ab und finden: Hauptsache, es ist was Gutes drin und was Schönes drauf! Widmen wir uns lieber den Antworten auf die Frage, warum gerade der Becher als Träger kunterbunter Werbebotschaften so beliebt ist:

Becher machen uns zu Sammlern.

Der Becher ist ein Einzelmeister, und er weckt unseren Sammeltrieb. Selbst mit abgeschlagenen Ecken und kaum noch leserlichem Aufdruck bleibt er oft ewig in Benutzung: Er zieht mit um, wird weitergereicht und aufbewahrt. Selbst in Firmenküchen findet sich oft eine kunterbunte Sammlung von Trinkgefäßen unterschiedlichster Herkunft, an denen Mitarbeiter zuweilen mehr hängen als an ihrem Job. („Wer hat meinen Pokémon-Becher aus der Küche entwendet? Bitte sofort zurückbringen, Privateigentum!“ – kennen Sie solche Rundmails?)

Becher sind erfreulich langlebig.

Alles, was heute langfristig in Benutzung bleibt und damit unsere Umwelt entlastet, bekommt schon mal ein Sternchen für Nachhaltigkeit. Die aktuellen Coffee-to-go-Becher zum Beispiel sind – als Alternative zum Wegwerfbecher aus Plastik oder Pappe – besonders ressourcenschonend. Wenn sie zudem aus schnell nachwachsendem Bambus sind: Noch besser! Da platziert man sein Logo doch gleich doppelt gern …

Becher sind Geschichten fürs Herz.

Sie sind Erinnerungen an Orte, Erlebnisse, Momente: Der Becher mit dem Logo der Fluggesellschaft, als man zum ersten Mal zusammen unterwegs war. Der aus der ersten WG. Der aus dem Kundenmeeting, als der Pitch gewonnen wurde. Der aus dem Onboarding-Paket, das diese nette Firma … Ja, sowas behält man auch gern länger!
Mit passender Aufschrift drauf sind Becher nicht nur Erinnerung, sondern auch selbstbewusste, provokante oder lustige Statements – vom schlichten „MEINER!“ über ein ermunterndes „Carpe Diem“ bis hin zur politischen Aussage. Und apropos politisch:

Auslaufmodell mit Botschaft: der Brexit-Becher.
Einen überraschenden Erfolg feierte kürzlich die englische Bentham Pottery (2), als sie ihren „Brexit-Becher“ auf den Markt brachte. Das Wort „Brexit“ ist hier nämlich nicht aufgedruckt, sondern ausgestanzt – und sorgt so dafür, dass jede Flüssigkeit direkt durch den Brexit ausläuft. Eine politische Botschaft mit echt britischem Humor, die der kleinen Töpferei in Yorkshire eine unerwartete Auftragsschwemme bescherte …

Mit Bechern kann man (fast) alles machen.

Es gibt zum Beispiel diese Becher, bei denen sich die Farbe mit der Temperatur verändert. So ähnlich wie bei diesen Ringen, wissen Sie noch? Oder die doppelwandigen Thermobecher. Oder die mit einem Motiv im Boden. Oder welche mit Deckel. Oder oder oder … Eine ergiebige Spielwiese für alle, die nicht nur werben, sondern auch unterhalten wollen.

Und überhaupt: Becher sind Kult!

Bedruckte Trinkgefäße können einen Markennamen über Jahrzehnte lebendig halten. Denken wir einfach mal an diese Vintage-Gläser, die ohne ihr geschwungenes Coca-Cola-Markenlogo nicht halb so begehrt wären. Oder an wunderschöne Espressotassen mit dem Logo des italienischen Kaffee-Giganten. Gar nicht zu reden von den hippen Retro-Markenshirts, auf denen ganz nebenbei kostenlos Werbung betrieben wird … Aber das ist eine andere Geschichte.

(1) https://de.wiktionary.org/wiki/Diskussion:Tasse
(2) https://www.jetzt.de/politik/england-interview-ueber-den-brexit-mug
Header: Photo by Nathan Dumlao on Unsplash

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