Lunchbox auf einem Baumstamm

Big Business | Insights

„Der Stillstand hat auch manches in Bewegung gebracht.“

Veröffentlicht am 11. März 2021

Im Interview: Kathrin Thiel, Head of Key Account bei Schneider

Lunchboxen sind der Renner, Homeoffice-Versand boomt, neue Franchise-Shops entstehen – das Corona-Jahr hat auch beim Werbeartikel-Spezialisten die Auftragslage kräftig durcheinandergewirbelt und an manchen Stellen spannende Entwicklungen angestoßen. Kathrin Thiel, seit nunmehr 38 Jahren im Unternehmen tätig, verantwortet bei Schneider den Bereich der Großkunden: Mit ihr sprachen wir über Pandemie-Auswirkungen, große Kunden und kleine Highlights.

2020 war für viele Unternehmen ein schweres Jahr, und noch ist nichts wieder, wie es war. Wie ging und geht es Schneider damit?

Wir sind bisher relativ gut durch diese Zeiten gekommen. Einmal natürlich, weil wir zu den Online-Versendern gehören, andererseits aber auch, weil wir sehr breit aufgestellt sind. 2020 haben sich zum Beispiel erstmal die Anfragen verschoben – Werbeartikel wurden eine Zeitlang weniger stark angefragt, dafür ging es dann um andere Sortimente wie Einrichtung und Garten-Ausstattung.

Das heißt, es wurde im Frühjahr 2020 mehr für den privaten Bereich bestellt?

Ja, diese Möglichkeit gibt es über unseren Privatkunden-Shop gingar.de – der auch aktuell wieder gut besucht ist, zumal der stationäre Handel nur sehr zögerlich wieder öffnet. Auch unsere Großkunden haben sich in der Situation vielfach auf Möbel und Deko konzentriert, dann aber mit ihren Bestellungen auch wieder gezielt in Richtung Mitarbeiterbindung gedacht.

„Die Wellen waren auch im Verkauf deutlich spürbar.“

Wie lief es generell in Sachen Werbeartikel während der Pandemie?

Mit der ersten Welle gingen erstmal der Bedarf an Werbeartikeln zurück, schließlich wusste keiner, wie es weitergeht. Das haben wir allerdings mit den anderen Bereichen gut auffangen können. Im Herbst 2020 war dann plötzlich richtig viel los: Viele wollten ihr Geschäft wieder in Schwung bringen und brauchten Werbeartikel zur Akquise und für neue Kampagnen.
Für viele von unseren Großkunden ging es dann mit einem Mal darum, die Teams im Homeoffice zu unterstützen und ihnen etwas nach Hause zu schicken: Ein kleines Dankeschön zum Beispiel, kleine „Päckchen“ für die Mitarbeiter oder später eben auch die Weihnachtsgeschenke. Das hat uns ganz schön in Atem gehalten.

Wie muss man sich solche Mitarbeiter-Pakete vorstellen?

Das ist ganz unterschiedlich. Mal sind das spezielle Artikel, die wir extra für das Unternehmen produzieren lassen und dann direkt an die Empfänger – also die Mitarbeiter – verschicken. Oder wir stellen gemeinsam passende „Mitarbeiter-Weihnachtspäckchen“ zusammen. Da sind dann Schokoladen, Kärtchen und passende gebrandete Produkte drin, zum Beispiel Powerbank, Trinkflasche oder Ähnliches, verpackt in dekorative Jutesäckchen. Das alles packen die Teams aus der Logistik ein – so, dass es eben auch super aussieht, wenn’s ankommt. Gerade solche Sachen waren im vergangenen Jahr, als viele zuhause arbeiten mussten, sehr gefragt! Das macht wirklich Spaß, aber es ist eben auch aufwändig, weil alles perfekt koordiniert werden muss.

„Lunchboxen waren gefragt wie noch nie.“

Welche Produkte liefen 2020/21 besonders gut?

Der Renner waren definitiv die Trinkflaschen und Lunchboxen. Alles rund um das Thema Nachhaltigkeit war und ist extrem beliebt: Produkte mit Holz oder Bambus oder auch solche aus neuen Materialien wie Weizenstroh, zu denen auch einige unserer Lunchboxen gehören. Für die Bundesbahn haben wir zum Beispiel gefüllte Lunchboxen an die Mitarbeiter versendet … Möglich, dass auch das eine Entwicklung war, die sich durch die Corona-Zeit beschleunigt hat.

Was macht speziell die „Großkunden“ bei Schneider aus? Große Mengen? Große Ansprüche?

Es ist nicht unbedingt die Menge – bei uns können Unternehmen schon ab einem Bestellvolumen von 5000 € als Großkunden einkaufen. Ja, viele Großkunden ordern besonders große Mengen, andere brauchen vor allem die Sonderanfertigungen, die wir bei Bedarf für sie in Auftrag geben. Und dann gibt es welche, die schwören seit Jahren auf dieselben Produkte, weil sie bei uns eben einfach nur sagen „Bestellt wie gehabt“ und dann läuft‘s. Gerade bei den „Großen“ gibt es viele, die seit 20 Jahren bei uns bestellen.

„Was es nicht gibt, lassen wir eben herstellen!“

Was sind das für Sonderanfertigungen, die Sie produzieren lassen?

Da sind schon spannende Sachen dabei. Zum Beispiel haben wir für einen großen Autoteile-Fachmarkt Kugelschreiber herstellen lassen, deren Clip nicht abbrechen kann. Das kam dann so gut an, dass wir das Produkt später in unser reguläres Angebot übernommen haben. Ganz anderes Beispiel: Für die Sonderaktion eines Gänsemarktes ging es kürzlich darum, Kühltaschen zu liefern, in denen ganze Gänse transportiert werden konnten – gut gekühlt und in der perfekten Größe. Das war dann eine Sonderanfertigung aus Asien, inklusive Druck.

Muss man bei solchen Sonderproduktionen nicht mit langen Lieferzeiten rechnen?

Wenn wir in Asien produzieren lassen, ist das natürlich nicht auszuschließen. Deshalb erinnern wir unsere Kunden auch regelmäßig daran, Saisonbestellungen unbedingt frühzeitig zu ordern! Corona hat überall die Situation im Transport verschärft: Es gibt an vielen Stellen nicht genug Container, der Frachtraum ist knapp und teuer, und 20 bis 28 Wochen Lieferzeit sind keine Seltenheit. Wir unterstützen deshalb unsere Kunden immer darin, gut zu planen, damit keine unnötigen Engpässe entstehen.

„Wir helfen beim Einkaufen. Das merkt man sich.“

Stichwort Unterstützung: Was schätzen große Unternehmen noch an Ihnen?

Ich denke, bei uns sind es vor allem Engagement und Erfahrung, auf die sich unsere Kunden verlassen. Schnell zu sein und gute Ware zu liefern – das ist Standard und reicht heute einfach nicht mehr. Wir setzen uns in vieler Hinsicht für den Kunden und seine Belange ein: Wir fragen nach und schlagen zum Beispiel auch mal was aus der Reihe vor, worauf man erstmal nicht kommt. Darüber hinaus übernehmen wir die Logistik, die Organisation und so weiter … Alles, was sonst eben Zeit und Nerven kostet. Anders ausgedrückt: Wir helfen beim Einkaufen. Und das merkt man sich.

Wie geht Schneider um mit Franchise-Unternehmen, in denen die einzelnen Filialen zum Teil unabhängig voneinander und oft nur begrenzte Mengen bestellen?

Für die haben wir einen sehr praktikablen neuen Weg gefunden: Einen unternehmens-exklusiven Online-Shop, in dem die Verantwortlichen der einzelnen Standorte genau die Artikel bestellen können, die sie gerade benötigen. Also zum Beispiel Werbeartikel und Textilien, alles bereits passend bedruckt und gebrandet. Der Shop selbst ist jeweils im Look & Feel der Marke bzw. des Unternehmens gestaltet, die Mitarbeiter kaufen also gefühlt in ihrem „eigenen“ Unternehmen ein. Für das Unternehmen selbst ist das extrem komfortabel – man bleibt flexibel, auch das Lagerrisiko entfällt. Wir von Schneider stellen die bedruckte Ware in übersichtlichen, versandfertigen Sets zusammen, die ganz nach Bedarf abgerufen werden können.
So etwas ist zum Beispiel auch für Kliniken attraktiv, die immer wieder unterschiedliche Mengen an bedruckten Werbeartikeln brauchen.

Klingt spannend! Verraten Sie uns Ihre Schneider-Prognose für 2021?

Im Herbst wird’s rauschen – das ist jetzt schon abzusehen. Wir sind aber gut aufgestellt und haben auch eine sehr schöne neue Produktpalette zu bieten. Von daher: Wir freuen uns drauf!

Neun Kulis in verschiedenen Farben

„Mein Lieblingsprodukt? Heißt Maxima und ist ein Kuli.“

Und noch kurz zwei persönliche Fragen: Ihr absoluter Lieblings-Werbeartikel?

Ganz klar: Kugelschreiber „Maxima“! Fasst sich gut an beim Schreiben, hat tolle Farben und ist sogar mehrfarbig bedruckbar …

Wenn der Lockdown endlich Geschichte ist, werden Sie zuallererst … ?

Meine Freunde und Familie treffen und ordentlich feiern.

Wir drücken die Daumen – und bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch!

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