Fifty Shades of Nix: Zum Schweigen im Netz

Frau Mustermann bloggt

Fifty Shades of Nix: Zum Schweigen im Netz

Veröffentlicht am 18. Januar 2019

Erst das Internet. Dann die sozialen Medien. Und jetzt alle als Smombies am Smartphone: Dass sich die Kommunikation in den letzten 20 Jahren verändert hat, ist eine Binse. Jeder ist immer erreichbar, überall und für jeden und so weiter. Alles schon tausendmal gehört. Aber haben Sie gemerkt, dass auch auf ganz viele, teils neue Arten geschwiegen wird? Dieses Schweigen 4.0 kann richtig unangenehm sein. Erst recht, wenn es um die Existenz geht.

„Mit dir red ich nie mehr, bäh!“ – das kennen viele noch als fiese Drohung aus Kindertagen. So ganz real und face-to-face. Und meist war dann schnell wieder gut. Einmal aussprechen, kleines Geschenk rüberschieben, fertig. Wenn Mama einen stumm ignorierte, war das schon schlimmer. Man fühlte sich klein und allein. Und heute? Scheint ein Schweigen oft mehr zu sagen als 1000 Worte.

Ohne Worte: Selbstverknappung, Ghosting & Co.

Treibt man sich ein bisschen in den Foren der großen Partnerbörsen herum, begegnet einem das Schweigen als thematischer Dauerbrenner: SIE sollte sich nicht früher als zwei Tage nach dem schönen ersten Date melden – frau will ja nicht bedürftig wirken und hat schließlich ein ausgefülltes Leben. ER findet wiederum, weil emanzipiert: Auch eine SIE könnte mal IHM zuerst schreiben. Und sofort auf Nachrichten zu antworten wirkt sowieso unsouverän. Andere Schweiger wiederum verstehen nicht: Warum meldet sich XY eigentlich noch – merkt er denn nicht, was ich ihm mit meinem Schweigen sagen will?! Und dann gibt es diese Fast-Partner, die plötzlich mitten in einer Beziehungsanbahnung wie vom Erdboden verschwinden. Also für immer schweigen: Wer sich damit konfrontiert sieht, gehört zum wachsenden Club der „Geghosteten“ – buh!

Job ist Job und Chat ist Chat

Was sich für aktiv Angeschwiegene im privaten Bereich schon ungut anfühlt, kann im Beruf mindestens genauso enervierend sein. Zum Beispiel, wenn man die für morgen so dringend benötigte Präsentation schon vor einer Stunde gemailt hat und sich – Schweigen sei Dank – nun fragt, ob der Betreffende sie auch bekommen hat. Nochmal anrufen und fragen? Nee, das wirkt verzweifelt. Also warten. Und noch eine Stunde später feststellen, dass alle anderen schon längst zu Hause sind! Plötzlich ist man wieder ganz klein und allein … Ein „Danke und schönen Feierabend“ könnte da wohl manche Szene verhindern, die wir bei youtube unter „Office Freak Out“ finden. Genauso wie manche Kündigung.

„Sie passen zu uns, wenn Sie …“ – … Luft sind?

Keine Antwort ist auch keine Antwort. Erst recht nicht, wenn sich jemand richtig viel Zeit nimmt, um eine individuelle Bewerbung zu erstellen: In diversen Branchen machen Jobsuchende vermehrt schlechte Erfahrungen mit der gefühlten Leere, in der vertrauliche, persönliche Daten, Wünsche und Pläne verschwinden. Oft kommt nicht mal eine Eingangsbestätigung zurück. Sondern nur: Schweigen.

Allerdings tauschen sich auch Bewerber aus. Häufen sich solche (Nicht-)Kontakte mit einem Unternehmen, hilft irgendwann kein noch so professionelles Employer Branding mehr. Also, liebe Leute, liebe kleinen und großen Betriebe, denkt doch mal wieder daran, dass hinter jedem Screen ein echter Mensch sitzt, kein Bot. Und ant-wor-tet einfach!

Mit gar nicht schweigsamen Grüßen,
Frau Mustermann

Teil diesen Beitrag mit deinen Bekannten und Kollegen!