Gesundheit am Arbeitsplatz

Big Business

Ganzheitlich denken in digitalen Zeiten: Was einen gesunden Arbeitsplatz ausmacht.

Veröffentlicht am 11. September 2020

Wo liegen heute die Herausforderungen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)? Und was können Unternehmen tun, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt nachhaltig zur fördern? Die Trendstudie #whatsnext20202 des IFBG (1), durchgeführt in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und der Haufe Gruppe, liefert Hinweise.
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Selten stand das Thema Gesundheit so im Fokus wie im Jahr 2020: Gerade was unseren Arbeitsplatz betrifft, hat die Pandemie manche Entwicklung beschleunigt und längst fällige Parameter in den Blickpunkt gerückt. Die Studie #whatsnext2020 untersuchte diese Entwicklungen und zeigt, wo Betriebe ansetzen können, um ein nachhaltiges BGM in ihrer Unternehmenskultur zu verankern.

Tut mehr für die Personalgesundheit!

Das Thema hat Relevanz: Für die Studie bewerteten 80% der befragten Organisationen die Rolle des BGM in Krisenzeiten als wichtiger denn je. Vor allem in den größeren Unternehmen wurden bereits BGF-Maßnahmen umgesetzt oder sogar in ein ganzheitliches BGM integriert. Grundsätzlich zeigte die Studie Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen:

Der Situation heutiger Arbeitnehmer mit angemessenen Maßnahmen begegnen – z. B. in den Bereichen flexibles Arbeiten, Rückzugsräume, Fortbildungs- und Gesprächsangebote.
Einbindung von Gesundheits-Themen in die betrieblichen Strukturen – z. B. durch Etablierung eines BGM, Events und Angebote im Gesundheitssektor.
Ein gutes und wertschätzendes Betriebsklima pflegen – für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ein entscheidender Faktor.
Unterstützung der leitenden Kräfte bei der Mitarbeiterführung – z. B. durch Führungstraining und Qualifizierungs-Einheiten.
Integration digitaler BGF-Angebote – z. B. durch Online-Coaching oder Gesundheits-Portale.

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Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten? Bitte mehr davon!

Ablenkungen und Unterbrechungen erschweren das Arbeiten zunehmend – und überraschend viele der Befragten wünschen sich Möglichkeiten, ungestört und konzentriert arbeiten zu können. Nahezu jeder Dritte sieht hier einen hohen Handlungsbedarf! Die Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch, dass trotz einer Zunahme von Störungen noch relativ wenig getan wird: Nur rund 1/4 der Organisationen haben entsprechende Angebote wie Rückzugsbereiche und Lärmschutzmaßnahmen für ihre Beschäftigten. Die Top 3-Maßnahmen für Unternehmen mit über 250 Mitarbeitern:

  • Kopfhörer und/ oder Schallschutz (62,2%)
  • Rückzugsräume (46,9%)
  • Separierte Bereiche zum sozialen Austausch (42,9%)

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Mobiles Arbeiten: Die Flexibilität nimmt zu.

Spätestens seit 2020 ist das Thema Home Office für viele unserer Betriebe zu etwas Selbstverständlichem geworden. Wie die Studie zeigt, liegen Wirtschaftsunternehmen hier deutlich vor öffentlichen Einrichtungen, was Vereinbarungen zur Ausstattung von mobiler Arbeit/ Telearbeit angeht: Flexibilität macht schließlich wettbewerbsfähiger und schafft in Zeiten des Fachkräftemangeln zusätzliche Anreize. Auch Pendlern wird es immer leichter gemacht: Durch mobile Arbeitsmöglichkeiten (73,8%), das Schaffen von Parkplätzen in Unternehmensnähe (63,8%) und Zuschüsse für den ÖPNV (56,1%) unterstützen knapp 40% ihre Beschäftigten von außerhalb.

Gesundes Führen: Hier ist noch Luft nach oben!

Die (psychische und physische) Gesundheit am Arbeitsplatz hat viel damit zu tun, wieviel Wertschätzung der Einzelne für seine Arbeit erfährt. Diese Anerkennung der eigenen Leistung fällt jedoch für über 30% der Befragten viel zu gering aus – und jeder Vierte sieht bei der Qualifizierung der dafür verantwortlichen Führungskräfte viel Handlungsbedarf. Dabei ist gesundes Führen ein hochrelevantes Thema: Seminare und verpflichtende Fortbildungen können hier für Fortschritte sorgen, und immerhin knapp 40% der Organisationen machen von diesen Möglichkeiten bereits Gebrauch.

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Lebenslanges Lernen: Je eher, desto besser.

Das Thema „Lebenslanges Lernen“ gewinnt im Zusammenhang mit fortschreitender Digitalisierung und demografischem Wandel immer mehr an Bedeutung. Weiterbildungsmaßnahmen, mit denen die Beschäftigten ihre Kompetenzen im digitalen und persönlichen Bereich erweitern können, sind deshalb besonders gefragt! Bisher allerdings setzen nur 45,2% der befragten Organisationen entsprechende Maßnahmen für die Zielgruppe um. Dem gegenüber steht der Wunsch nach mehr Weiterbildungsangeboten im eigenen Unternehmen: Die wünscht sich nahezu jeder Dritte.

Digitale BGF-Angebote: Online-Coachings sind hochwillkommen.

Yoga im Park, Workout im heimischen Wohnzimmer – das vergangene Jahr hat definitiv zu einem Boom der digitalen Sport- und Gesundheitsangebote geführt. Und der darf gern auch in den beruflichen Sektor überschwappen: Immerhin 62,9% der Beschäftigten würden z. B. nach eigenen Angaben gern Angebote zu Entspannungstechniken nutzen. Vor allem Organisationen mit hohem BGM-Budget haben hier etwas zu bieten, z. B. Gesundheits-Portale oder Online-Coachings (13,5%). Weitere 14% möchten diese bald integrieren.

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Auch kleine Schritte fördern die Gesundheit.

Dass kleinere Unternehmen weniger Möglichkeiten haben, ein ganzheitliches BGM aufzubauen, überrascht nicht. Denn auch die finanziellen Voraussetzungen gehen hier stark auseinander: Knapp einem Viertel der befragten Organisationen steht kein eigenes Budget für das Thema Betriebsgesundheit zur Verfügung – und das, obgleich Stress und hohe Krankheitsstände die Unternehmen erfahrungsgemäß auch finanziell langfristig stark belasten können.

Erste Schritte in ein funktionierendes Gesundheits-Management müssen übrigens nicht mit hohen Kosten verbunden sein: Eine flexible(re) Regelung der Arbeitszeiten zum Beispiel ist nicht zwangsläufig ein höherer Kostenfaktor, ebenso wenig wie die Organisation interner Lauftreffs oder eines gesünderen Kantinenangebots. Entscheidend ist vor allem die Bereitschaft, dem Thema Gesundheit den Stellenwert einzuräumen, den es verdient – um irgendwann festzustellen, dass sich das in jeder Hinsicht bezahlt macht.


(1) Hier finden Sie die Studie #whatsnext2020 zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in Deutschland, an der sich insgesamt 1192 Organisationen beteiligten.

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