Was Mitarbeiter im Unternehmen hält.

Big Business

Gute Gründe, zu bleiben: Was Mitarbeiter im Betrieb hält (und was nicht).

Veröffentlicht am 16. August 2019

Top-Fachkräfte und Auszubildende zu finden und zu halten – das ist heute das erklärte Ziel vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen. Aber was motiviert Mitarbeiter wirklich, einem Betrieb treu zu bleiben? Umfragen zeigen, dass es nicht immer die Karrierechancen sind, die den Ausschlag geben.

Vor einigen Monaten veröffentlichte die ZEIT das Ergebnis einer Umfrage des von ihr beauftragten infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft: 1000 Erwerbstätige quer durch alle Berufs- und Altersgruppen gaben Auskunft darüber, wie zufrieden sie mit ihrem Arbeitsplatz sind und was sie sich diesbezüglich wünschen.(1)

Die Top 3: Wohlgefühl, Sicherheit und ein zukunftsfähiger Beruf.

Die wichtigste Erkenntnis der Umfrage: Das Wohlfühlen am Arbeitsplatz (Platz 1!), die Arbeitsplatzsicherheit und der Aspekt der Zukunftsfähigkeit ihres Berufs sind erwerbstätigen Deutschen besonders wichtig.

Wohlfühl-Atmosphäre als Top-Argument? Überraschend ist das nicht: Sich als Mensch unter Menschen sicher und aufgehoben zu fühlen ist ein Grundbedürfnis. Und zu glauben, dass Karrierechancen oder technische Gadgets einen Mangel in diesem Bereich ausgleichen könnten, sicherlich eine Illusion.

„Neue Arbeitsthemen“ gewinnen dagegen nur langsam an Boden. Interessant ist, dass der Punkt „Wohlfühlen am Arbeitsplatz“ weit vor dem Thema „Flexibles Arbeiten“ – Home Office, Teilzeit, Sabbattical & Co. – rangierte, das in den Medien weitaus präsenter ist. Auch andere „weiche Faktoren“ wie Sportangebote und gesundes Kantinenessen kommen gut an, erreichten in der Umfrage aber keine Spitzenplätze.

Mit dem Alter scheint der Wohlfühl-Faktor relevanter zu werden. Bei den jungen Erwerbstätigen (25 und 34 Jahre) zeigte sich dagegen eine etwas andere Gewichtung. Hier liegen Sicherheit und Zukunftsfähigkeit vorn – in dieser Altersgruppe bastelt man schließlich (noch) mit Hochdruck an seiner Karriere. Folgerichtig gab man hier auch besonders häufig an, sich mehr Unterstützung, Weiterbildungschancen und Anerkennung zu wünschen.

Mehr Unterstützung, bitte!

Dieser Wunsch eint offenbar alle Altersgruppen. Mehr Unterstützung bei der beruflichen Weiterentwicklung, eine bessere Einarbeitung in moderne Technologien, mehr Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten: Diese Bedürfnisse beschäftigen Arbeitnehmer in Deutschland besonders. Relevant ist das vor allem, weil an dieser Stelle Wunsch und Wirklichkeit stark auseinanderdriften – nach Auskunft der infas-Experten besteht hier ein flächendeckender „Handlungsauftrag“.(2)

Dass sie bei der eigenen Weiterentwicklung nur mangelhaft von ihren Vorgesetzten unterstützt werden, ist übrigens auch für Erwerbstätige in Großunternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern ein wichtiges Thema. Und nicht nur bei ihnen scheint es eng verbunden zu sein mit dem Wunsch nach mehr Anerkennung und Feedback durch eben diese Vorgesetzten. Ein Defizit, das auch in einer weiteren weltweiten Umfrage deutlich wird:

Die Top 3 weltweit: Recognition, Feedback, Happiness.

officevibe.com wertet darin Antworten von rund 50.000 Nutzern aus und definiert die 10 wichtigsten Themen für Arbeitnehmer. (3) Anerkennung und Feedback landen hier aktuell auf den ersten Plätzen – eine Relevanz, die auch die ZEIT Studie widerspiegelt!

„63% of Employees feel like they don’t get enough praise”, heißt es bei officevibe. Wie frustrierend es sein kann, wenn die Wertschätzung fehlt, wissen die meisten aus eigener Erfahrung! Zahlen wie diese können leicht zum Sprengstoff für Unternehmen werden – oder aber zum Anlass, darüber nachzudenken, wann man eigentlich zuletzt einen Mitarbeiter für ein gut gelaufenes Projekt gelobt hat …

„While most managers hate giving feedback, employees are actively looking for it.“ Was officevibe hier feststellt, gilt laut ZEIT Studie auch für viele deutsche Angestellte: Feedback von Vorgesetzten wird als konstruktive Möglichkeit zur eigenen Weiterentwicklung hochgeschätzt – und bedauerlicherweise viel zu selten gegeben.

Was Unternehmen für zufriedene(re) Mitarbeiter tun können.

Es gibt Dinge, an denen können Firmen arbeiten. Andere sind abhängig von Berufszweig oder Region: Viele Branchen im Bereich Handwerk und Industrie zum Beispiel könnten selbstbewusst mit der Zukunftsfähigkeit und Sicherheit ihrer Arbeitsplätze punkten – und tun das oft viel zu wenig. Aber auch unabhängig davon gibt es konkrete Maßnahmen, mit denen Unternehmen ihre Arbeitgeber-Qualitäten aufbessern können:

Fürs Wohlgefühl lässt sich einiges tun. Wenn das Unternehmen zum Mitarbeiter passt (und umgekehrt), klappt‘s auch mit dem Wohlfühl-Klima! Employer Branding ist daher für alle Arbeitgeber hochrelevant: Was macht uns aus und was bieten wir unseren Angestellten? Welche Mitarbeiter passen zu uns – und zueinander? Fragen wie diese sind die Basis, um eine Unternehmenskultur zu pflegen, auf die man sich gern einlässt. Aufmerksamkeiten wie Geburtstags-Geschenke oder Onboarding-Pakete für neue Mitarbeiter können das Klima zusätzlich verbessern …

Weiterbildungsmöglichkeiten bieten – und damit zeigen, dass einem die Entwicklung der Mitarbeiter wichtig ist. Davon haben nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch das Unternehmen etwas.

Feedback-Kultur schaffen und pflegen. Monatlich oder quartalsweise stattfindende Vier-Augen-Gespräche und wöchentliche Team-Kickoffs helfen, dranzubleiben.

Anerkennung für gute Arbeit. Das muss nicht unbedingt mit finanziellem Aufwand verbunden sein, auch wenn manche Arbeitgeber das befürchten: Untersuchungen zeigen immer wieder, dass schon ein ehrliches Lob auf der Tonspur Mitarbeiter ungleich stärker motiviert als es z. B. unpersönliche Motivations-Poster in der Kantine tun.

Als Arbeitgeber ansprechbar und nahbar bleiben. Das ist etwas, was täglich geübt werden kann und irgendwann zur Selbstverständlichkeit wird. Hier haben übrigens besonders kleinere Unternehmen große Chancen!

Nicht zu vergessen: Aufmerksam bleiben und hinhören ist das A und O, wenn es darum geht, im Unternehmen positive Veränderungen anzustoßen – und damit auch den Besten unter den Mitarbeitern die besten Gründe zum Bleiben zu liefern.

Büro-Ausstattung

(1) Die Studie als PDF: https://www.zeit.de/2018/50/fragen-zur-arbeitswelt-studie.pdf

(2) https://www.zeit.de/2018/50/arbeitnehmer-berufsleben-erwerbstaetigkeit-zufriedenheit-themen-2019-umfrage

(3) Die webbasierte Plattform officevibe.com unterstützt HR-Experten bei der Mitarbeiterbindung, führt differenzierte Mitarbeiterumfragen durch und erhält darüber messbares und verwertbares Feedback. Die Ergebnisse: https://www.officevibe.com/state-employee-engagement

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