Home Office ist auch Office

@Work

Home Office ist auch Office: Das Arbeiten zuhause und was wir dafür brauchen.

Veröffentlicht am 10. Januar 2020

Rund 40 Prozent der Unternehmen ermöglichen ihren Beschäftigten das Arbeiten im Home Office (1): Das ist zeitgemäß, komfortabel und familienfreundlich – solange wir Home und Office nicht dermaßen vermischen, dass irgendwann alle Grenzen fallen. Gut, dass wir selbst einiges dafür tun können, diese Grenzen rechtzeitig zu ziehen.

Home Office kann vieles sein: Zahlreiche Freelancer und Selbstständige, z. B. aus dem IT-Bereich, arbeiten grundsätzlich von zuhause aus, und Angestellte erledigen ihren Job immer häufiger außerhalb ihrer vier Bürowände, mal ausnahmsweise, mal regelmäßiger oder im festgelegten Rhythmus. Zwei Tage Home Office, drei Tage Präsenz – in vielen Unternehmen ist das längst keine Seltenheit mehr. Der Vorteil liegt auf der Hand: Mehr Autonomie, örtliche Unabhängigkeit und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Wie gesund ist Home Office?

Das Arbeiten im eigenen Nest birgt jedoch auch Gefahren, wie jüngst durch das wissenschaftliche Institut der AOK-Krankenkassen nachgewiesen wurde (2): Das Burnout-Risiko steigt, wenn der Beruf zunehmend in die Freizeit eingreift und keine klare Abgrenzung mehr möglich ist. Mit ihren Ergebnissen warnt die Studie vor den negativen Auswüchsen der flexiblen Arbeitspraxis – die ständige Erreichbarkeit und das Arbeiten an Wochenenden oder bis in die Nacht können irgendwann ernste psychische und körperliche Folgen haben. Vor allem, wenn die gängigen Arbeitsschutzregeln im Home Office ignoriert und wichtige Erholungspausen nicht genutzt werden.

Die mangelnde Abgrenzung trägt zum Teil skurrile Früchte: Der eine arbeitet ausschließlich vom Bett aus, der andere finalisiert die Präsentation, während nebenbei das Kind gefüttert, die Wäsche sortiert, online geshoppt oder mit Freunden telefoniert wird. Auch der Jahresurlaub ist als schlecht getarnte Arbeitszeit durchaus verbreitet – vor allem bei Freelancern und Selbstständigen, die partout nicht abschalten können oder glauben, den Auftrag ihres Lebens zu verpassen, wenn sie nicht permanent am Ball bleiben.

Was auf den ersten Blick komfortabel klingt (und in Maßen gut funktioniert), stresst aber auf Dauer zusätzlich: Wer unablässig seine Mails checkt, zuständig und erreichbar ist, gerät zwangsläufig in den Multitasking-Modus, der niemandem gerecht wird. Und der schon viele, die es allen Recht machen wollten, in die totale Erschöpfung geführt hat.

Wo der Job beginnt, entscheiden wir selbst.

Es gibt heute viele Tipps und Strategien, um das Arbeiten zuhause so zu strukturieren, dass bewusst Grenzen gesetzt und eingehalten werden: Ein gutes Zeitmanagement ist hier das A und O. Dazu gehört, Arbeitsbeginn und -ende festzulegen, Pausen einzuplanen, Störungen zu eliminieren (z. B.: Wann ist man für die Familie ansprechbar, wann nicht?) und diesen Plan auch konsequent einzuhalten. Helfen können Software-Tools zur besseren Arbeitsorganisation, von hochkomplexen Programmen bis hin zu simplen Apps für den Hausgebrauch.
All dies dient aber nicht nur der eigenen Leistung, sondern hilft auch, das Home Office als das zu definieren, was es sein soll: ein echter Arbeitsplatz – und nicht eine Ecke zuhause, in der nebenbei auch mal gearbeitet werden kann.

Erster Schritt: den Arbeitsplatz vernünftig einrichten.

Wer sich und seinen Job ernst nimmt, macht auch räumlich und in der Gestaltung seines Heimarbeitsplatzes klar, wo die Freizeit aufhört und der Job anfängt – nicht nur der Familie, sondern auch sich selbst gegenüber. Werfen wir also einen Blick auf die praktischen Erfordernisse des Home Office in Sachen Möbel, Technik und Deko:

Der separate Arbeitsbereich.

Home Office ist auch Office.
Ein abgeteilter Raum fürs Home Office ist optimal, egal wie klein er sein mag. Der zahlt sich nämlich nicht erst bei der Einkommensteuerrückzahlung aus: Wer die Tür hinter sich schließen kann, schließt auch leichter mit dem täglichen Arbeitspensum ab und kann sich oft besser konzentrieren.
Muss doch ein Schreibtisch im Wohnzimmer als Arbeitsplatz herhalten, so gibt es Möglichkeiten, diesen zu separieren: Halbhohe Regale können zum Raumteiler werden, Pflanzen zur Abgrenzung beitragen. Wichtig: Beim Sitzen am Schreibtisch sollte der Blick nicht unbedingt in den Raum (oder gar auf das TV-Gerät) gerichtet sein – der Ablenkung wegen.

Die rückenfreundliche Sitzgelegenheit.


Was Tische und Bürostühle angeht, so muss der Arbeitgeber zahlreiche Vorschriften in Sachen Gesundheit und Arbeitsschutz einhalten. Zu Recht: Auf dem Stuhl und am Schreibtisch sitzt man schließlich jeden Tag, stundenlang. Deshalb ist es keineswegs ein Luxus, sich einen professionellen ergonomischen Stuhl fürs Home Office zu leisten – und natürlich darauf zu achten, dass auch der Tisch die richtige Höhe hat.

Die Technik.

Wie stabil ist das WLAN am Arbeitsplatz? Die Frage nach der funktionierenden IT-Infrastruktur ist für den Heimarbeiter essentieller als die nach einem verfügbarer Drucker. Ein Laptopständer und eine zusätzliche Tastatur sind dagegen aus gesundheitlichen Gründen anzuraten, wenn zuhause das Laptop den PC ersetzt. Der Telefonanschluss darf sich heute meist aufs (Firmen-) Handy beschränken – das selbstverständlich für die Familie tabu sein sollte. Welche Collaboration-Tools und Videokonferenz-Lösungen (z. B. Skype oder Google Hangout) zum Einsatz kommen, entscheidet oft der Job.

Die Beleuchtung.

Die ausrangierte Schreibtischlampe aus dem Keller? Das ist nicht immer eine gute Idee. Schließlich kann die richtige Beleuchtung nicht nur die Produktivität, sondern auch die Stimmungslage deutlich heben! Sorgen wir also für genug Tageslicht (ein Arbeitsplatz am Fenster ist da empfehlenswert) und die optimale Beleuchtungsstärke, wenn es um die Lampe geht: 500 Lux sind für Arbeitsplätze am Bildschirm vorgeschrieben.

Wohlfühlen im Arbeitsbereich.

Der Arbeitsplatz sollte zum Bleiben einladen. Deshalb sind auch rein dekorative Accessoires wie Bilder und Pflanzen für das „Office-Gefühl“ relevant. Unser Tipp: Ein Extra-Vorrat an Nervennahrung – unzugänglich für die Kids – belohnt, stärkt und motiviert bei gelegentlichen Tiefs!
Auch Büromaterialien wie Stifte und Hefter sollten übrigens exklusiv dem Arbeitenden vorbehalten sein und nicht irgendwann in den allgemeinen Gebrauch übergehen. Heißt zum Beispiel auch: Die Kids haben ihre eigenen Stifte und dürfen die Textmarker NICHT zum Malen benutzen!

In den Arbeitsrhythmus kommen.


Manche können bei Musik besser arbeiten, andere stört schon ein leises Pling. Wer zur ersten Gruppe gehört, ist mit hochwertigen Kopfhörern oder einer Bluetooth-Box in greifbarer Nähe gut bedient – und kann sich jetzt schon seine ganz persönliche Home Office-Playlist zusammenstellen …

(1) https://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/home-office-aok-studie-ueber-belastungen-und-vorteile-a-1287224-2.html
(2) https://www.sueddeutsche.de/karriere/homeoffice-job-gesundheit-psyche-1.4603837

Teil diesen Beitrag mit deinen Bekannten und Kollegen!