Clean Desk Policy – Pro und Contra.

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Kahlschlag auf dem Schreibtisch? Clean Desk Policy – Pro und Contra.

Veröffentlicht am 2. August 2019

Nichts als aufgeräumte Sauberkeit. Nur ein Kugelschreiber, rechtwinklig zur Kante positioniert, unterbricht das schimmernde Weiß der Arbeitsfläche. Der Schreibtisch daneben sieht genauso aus, der nächste auch: So clean, dass man einfach nicht mehr sicher sein kann, welcher Platz eigentlich der eigene war … Aber wirklich schlimm ist das nicht, schließlich könnte man ja jeden nehmen, oder?

So oder so ähnlich ist es, wenn in einem Unternehmen die „Clean Desk Policy“ nicht nur angeordnet, sondern auch umgesetzt wird. Keine Familienfotos mehr. Keine albernen Plüschis, Post-its mit Glitzer, angebrochene Kekspackungen oder eingetrocknete Sandwichreste. Schluss mit wüsten Papierstapeln und To-do-Listen. Stattdessen Ordnung und Struktur: Die Clean Desk Policy besagt, dass auf den Schreibtisch nur gehört, was wirklich zum Arbeiten gebraucht wird. Alles muss nach dem gleichen Prinzip strukturiert sein, persönliche Gegenstände sind Tabu: So, dass sich im Prinzip jeder an jeden Tisch setzen und loslegen könnte. Und tatsächlich gibt es Unternehmen, die dieses Prinzip sogar im Arbeitsvertrag verankert haben.

Mein Platz ist, wo mein Laptop ist.

Die Idee der Clean Desk Policy geht einher mit dem Trend zu Open Space-Konzepten in der Bürolandschaft: Das klassische Einzelbüro hat ausgedient, stattdessen werden heute vielfach Teamarbeits- und Medienräume, Lounges und Telefonbereiche flexibel genutzt.

Wichtigster Treiber dieser Flexibilität ist natürlich der digitale Fortschritt. Viele Daten müssen nicht mehr in sperrigen Ordnern gespeichert werden, und ein Großteil der Unterlagen und Notizen findet Platz auf dem virtuellen Schreibtisch, der dank Laptop an keinen realen Platz mehr gebunden ist. Das Smartphone ersetzt auch im Büro den Festnetzanschluss. Gemeinsame Server sind von jedem Computer aus erreichbar. Und manch einer braucht nicht mal mehr Kuli und Notizblock zum Arbeiten. Warum also noch ein eigener Schreibtisch?

Die Vorteile: Flexibilität und effizientes Flächen-Management.

Geht die Clean Desk Policy mit einer einheitlichen Rechner- und Ablage-Struktur einher, kann sie den Arbeitsalltag für Unternehmen durchaus erleichtern. Die Befürworter der Sauber-Strategie haben also durchaus gute Argumente:

Flexibles Arbeiten durch mehr Mobilität
Egal, ob im Büro kurzfristig umstrukturiert wird, ein Freelancer gebucht oder eine Vertretung eingesetzt werden muss: Folgt am Arbeitsplatz alles einem klaren System und behindern weder Urlaubskarten noch dekorativer Nippes die Suche nach relevanten Unterlagen, macht das vieles einfacher.

Bessere Flächennutzung
Betriebe, die im Rahmen einer Clean Desk Policy konsequent auf gemeinsam genutzte Arbeitsplätze setzen, haben sich meist von Hasenstall-artigen Einzelbüros verabschiedet. Das ermöglicht es ihnen, einen eventuellen Flächenüberschuss flexibler und effizienter zu nutzen.

Zeitersparnis am Morgen
Mit einem leeren Schreibtisch starten wir ohne irgendwelche Verzögerungen in den Arbeitstag, das leuchtet ein. Ob wir morgens aber wirklich so viel Zeit damit verbringen, unsere tagesaktuellen Papiere zu suchen, sei dahingestellt.

Konzentration auf das Wesentliche
Ein beliebtes Argument, das jedoch umstritten ist. Denn auch wenn ein leergefegter Schreibtisch bei manchen Menschen konzentrationsfördernd wirken mag, so zeigen andere Untersuchungen, dass eine Vielzahl von Reizen bei der Arbeit das kreative Denken eher fördert.

Professioneller Eindruck
Wo Kundenverkehr herrscht, können Plüsch-Pinguine und Urlaubs-Schnappschüsse den professionellen Eindruck schon mal trüben. Dass Banken und Versicherungs-Center deshalb auf neutralen Schreibtisch-Oberflächen bestehen, dürfte nachvollziehbar sein!

Die Nachteile: Einheitsweiß und wenig Raum fürs Persönliche.

Geht es um die Nachteile, werden die Argumente häufig diffuser und gefühlsgeladener. Das heißt aber nicht, dass sie schlechter wären:

Kein Platz für Persönliches
Unserem Arbeitsplatz einen persönlichen Anstrich zu geben, ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis – gerade in Zeiten, die oft vermuten lassen, die eigene Arbeitskraft sei beliebig austauschbar. Wie auch bei der Diskussion um Dresscodes im Job geht es darum, seiner Individualität Ausdruck zu verleihen. Und sei es mit einem Quietsche-Entchen in Regenbogenfarben.

Kein Zuhause im Büro
Wer den eigenen Arbeitsbereich liebevoll dekoriert, zeigt: Ich fühle mich wohl und mache es mir hier richtig gemütlich! Das dient dem Arbeitsklima, gefällt aber nicht jedem. Vor allem in Branchen, bei denen Flexibilität und Beweglichkeit – auch in Sachen Arbeitgeberwechsel – großgeschrieben wird, reagieren Arbeitgeber auf diese Art der Arbeitsplatzgestaltung gern mal mit Befremden.

Dämpfer fürs kreative Chaos
Siehe oben: Mehr Input fürs Auge bedeutet auch mehr Stimulation für die grauen Zellen! Einheitlich grauweiße Flächen bieten dagegen wenig Anreiz. Und wer weiß schon, wie oft kleine Basteleien auf dem Schreibtisch zu großen Werbe-Ideen geführt haben?

Weniger ist mehr. Aber gar nichts kann auch ganz schön öde sein!

Fakt ist: Mitarbeiter, die von heute auf morgen eine Clean Desk Policy von oben verordnet bekommen, reagieren fast immer verschnupft. Weitaus besser ist es deshalb, so eine Veränderung nachvollziehbar zu verargumentieren und Mitarbeiter frühzeitig einzubeziehen.
Der goldene Mittelweg: Persönlicher Touch statt Deko-Overload! Der Lieblingskaktus, verzierte Notizblöcke oder ein buntes Laptopcase sprechen schließlich keineswegs gegen verbindliche Ordnungs- und Ablagesysteme. Und ob sich mit einer leeren Schreibtischfläche Konzentration und Kreativität wirklich steigern lassen, hat bisher noch niemand schlüssig bewiesen.

Apropos – allen, die ihren Schreibtisch (und den ihrer Kunden) gern ein bisschen persönlicher gestalten, helfen wir natürlich gern mit individuellen Büro- und Werbeartikeln weiter!

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