Liebe Grüße oder was? Abschiedsfloskeln im beruflichen E-Mail-Verkehr.

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Liebe Grüße oder was? Abschiedsfloskeln im beruflichen E-Mail-Verkehr.

Veröffentlicht am 23. November 2018

Ja, auch hier gibt es Benimmregeln, Peinlichkeiten und Formulierungen, die gar nicht gehen. Denn in den letzten Worten unserer digitalen Kommunikation schwingen oft wichtige Botschaften mit …

Früher war’s einfacher: Man entschied sich zwischen „freundlichen Grüßen“ oder einem offiziellen „Hochachtungsvoll“ und war damit auf der sicheren Seite. Heute klingt das oft gestelzt, unauthentisch – seine E-Mail-Grüße etwas individueller zu formulieren, gehört für viele Unternehmen dazu. Sei es, um zu zeigen, dass man zeitgemäß kommuniziert, oder weil man die maßgeschneiderten Angebote auch textlich zum Ausdruck bringen will. Oder einfach, weil der persönliche Kontakt zum Kunden auch im Gruß mitschwingen soll! Die Stolpersteine sind vorprogrammiert: Wo es im Privaten mit einem „tschüssikowski“ höchstens mal peinlich wird, kann eine unangemessene Floskel im Beruf die Kundenbeziehung schon mal empfindlich stören.

Die Grußformel verrät viel über die Beziehung – gerade im Beruf.

Eine E-Mail ist keine WhatsApp-Nachricht. Sie entspricht eher dem Brief, und sie gehorcht, wenn auch in verkürzter und modifizierter Form, ähnlichen Regeln. Der Gruß, mit dem wir uns beim Empfänger verabschieden, ist der letzte Eindruck, den wir hinterlassen: Er gibt einiges preis über die Art der Beziehung, die Nähe oder auch die professionelle Distanz zum Angeschriebenen. Und er sagt sowohl etwas über den Empfänger als auch über den Sender aus.

Casual oder förmlich? Der Dresscode für den Abschiedsgruß.

Die Abschiedsformel muss vor allem zum Unternehmen passen. In vielen Firmen gibt es deshalb eine verbindliche Standardformel, die das Unternehmen und sein Image angemessen widerspiegelt. Ist man in einem hippen Start-up unterwegs, kann ein lockeres „Tschüss & liebe Grüße!“ durchaus die Regel sein. In der Anwaltskanzlei könnte die Formulierung dagegen so unangenehm auffallen wie der Jogginganzug im Amtsgericht.

Auch das persönliche Verhältnis der Schreibenden zueinander spielt eine Rolle – hat man im beruflichen Alltag viel miteinander zu tun, duzt man sich sogar eventuell? Oder ist die Beziehung eher distanziert? Wie formell oder locker die Kommunikation abläuft, bestimmt übrigens immer der Ranghöhere. Und das ist immer der Kunde. Endet der also „Mit freundlichen Grüßen“, tun wir gut daran, uns nicht mit „Liebe Grüße!“ aufzudrängen.

Die beliebtesten Grußformeln und was sie aussagen.

Mit freundlichen Grüßen: Ein Klassiker – nicht unbedingt originell, dafür ohne Risiko. Etwas moderner ist das kürzere „Freundliche Grüße“.

Viele Grüße: Einen Hauch herzlicher und informeller. Passt am besten, wenn man mit dem Angeschriebenen nicht ganz unvertraut ist.

Beste Grüße: Gefühlt ein Mittelding zwischen „freundlichen“ und „vielen“ Grüßen, aber genaugenommen eine Unmöglichkeit – wenn es keine „guten“ Grüße gibt, kann es eigentlich auch keine „besten“ Grüße geben.

Liebe Grüße: Ist nett, aber auch sehr persönlich. Bei Kunden und Vorgesetzten sollte man deshalb abwarten, ob sich der Gesprächspartner selbst so verabschiedet – dann kann man nachziehen.

Schöne Grüße: Lieber nicht – was macht Grüße überhaupt schön? Können auch unschöne Grüße verschickt werden?

Herzliche Grüße: Bieten sich an, wenn man sich schon etwas länger kennt. Der Gruß vermittelt Wertschätzung, ohne allzu vertraulich zu sein.

Hochachtungsvoll: So unterschrieb man gern in den 50ern. Heute klingt das verstaubt und überformell – und mitunter richtig unfreundlich. Die Polizei zum Beispiel unterschreibt damit ihre Strafbescheide.

Sonnige Grüße: Informell, aber nicht übergriffig. Warum nicht, wenn es das Wetter erlaubt? Die Alternative sind verschneite/ frühlingshafte Grüße … Patzer wie „Windige Grüße“ gilt es natürlich zu vermeiden.

Grüße nach Hamburg: Wirkt sympathisch und deutet an, dass wir mit den Gedanken schon beim Empfänger sind. Die „Grüße aus Hamburg“ gehen auch, wirken aber einen Hauch ich-bezogener.

Mfg, VG, LG: Das geht höchstens bei einer SMS, wenn Zeitdruck herrscht – im beruflichen Mailverkehr vermittelt so eine Abkürzung eher einen Mangel an Wertschätzung. Viele Mailprogramme vervollständigen daher ein „MfG“ automatisch zu „Mit freundlichen Grüßen“.

Ein schönes Wochenende: Kann bedenkenlos mit sonstigen Grußformeln kombiniert werden, wirkt zugewandt und ist spätestens ab Donnerstag nachmittag eine gute Option.

Bei längeren E-Mail-Dialogen kann es übrigens nicht schaden, Grußformeln gelegentlich zu variieren. Das gibt dem Empfänger das Gefühl, persönlich gemeint zu sein und nicht mit Standardfloskeln abgespeist zu werden.

Oder lieber ganz weglassen?

Das wirkt schnell gleichgültig. Für ein, zwei Worte ist immer Zeit! Hat man allerdings im Verlauf des Tages schon -zig Mal hin- und hergemailt, befindet sich also gefühlt im Dauergespräch, so kann man ruhig mal auf den Abschiedsgruß verzichten (ebenso wie auf den Eingangsgruß).

Richtig ist es ohne Komma. Punkt!

Immer noch nehmen viele an, der Abschiedsgruß müsse durch ein Komma beendet und damit vom Namen darunter getrennt werden. Das ist tatsächlich falsch: Der letzte Gruß hat laut Duden und deutscher Rechtschreibregel kein Satzzeichen am Ende!

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