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Frau Mustermann bloggt

Mal anders in den Wald reinrufen

Veröffentlicht am 5. Oktober 2018

Fünfter Oktober, Tag des Lächelns. Am dreizehnten November können wir dann den internationalen World Kindness Day, also den Welt-Freundlichkeitstag feiern. Jetzt einfach kurz „Cheeeese“ grinsen und auf Instagram posten? Oder steckt noch viel mehr dahinter, dass ganze Tage etwas scheinbar Selbstverständlichem gewidmet sind?

Als neulich an einem heißen Sommertag eine stabile Edel-Familienkutsche meinem praktischen Billigflitzer von hinten deutlich zu nah kam, hatte ich ihn plötzlich: den klassischen Auffahrunfall. Frau Mustermann blieb unverletzt, der Flitzer leider nicht. Zivilisiert einigten sich alle Beteiligten, die Polizei zu rufen und die Autos von der Kreuzung auf den breiten Bürgersteig zu bewegen. So weit, so gut. Aber was dann geschah, fühlte sich irgendwie gar nicht gut an. Die Verhaltensbilanz der Passanten, die an unseren zwei notgeparkten Wagen vorbeikamen, sah nämlich so aus: übers Ausweichenmüssen pöbelnd = 4, darunter vom Fahrrad aus gegen einen Reifen tretend/ den Wagen mit einem Jutebeutel prügelnd = 2, mitfühlende Blicke = 0, Nachfrage = 0. Kurz gesagt: Gott, waren die alle unfreundlich!! Wie kann man so drauf sein?

Anleitung zum Unglücklichsein: Vorhang auf fürs Kopfkino!

In seiner „Geschichte vom Hammer“ lässt uns Paul Watzlawick in den Kopf eines Mannes schauen, der eigentlich nur ein Bild aufhängen möchte. Leider fehlt ihm der Hammer dazu, weswegen er plant, ihn sich von seinem Nachbarn zu leihen. Dann geht es los, das Kopfkino: Was, wenn der Nachbar mir nicht helfen will? Der hat gestern schon irgendwie abweisend geguckt. Vielleicht hatte er ja wirklich keine Zeit. Oder er tut nur so, weil er mich nicht leiden kann. Dabei habe ich ihm nie was getan! Den Hammer leiht er mir dann eh nicht. Was ist das eigentlich für ein Typ, der einem nicht mal einen Hammer leihen würde?! Das wäre für mich total selbstverständlich!!!

Das Ende vom Lied: Der Hammerlose stürmt zum Nachbarn, klingelt und pöbelt grußlos und direkt: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie (…..)!“ Wonach sich der Nachbar ähnlich bedröppelt gefühlt haben mag wie ich neben meinem verbeulten Auto. Offensichtlich hatte ich es gleich mit mehreren Hammer-Männern zu tun, die mich vielleicht einfach für eine prinzessinnenhafte Fußweg-Parkerin, absichtsvolle Date-Verhinderin oder eine andere Art von Feind hielten …

Die Hölle, das sind nicht immer die anderen

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Und wer Gutes erwartet, bekommt oft eben keine vom Schicksal gewischt, sondern Gutes zurück! Das mag nun zwar klingen wie ein gestickter Sinnspruch, stimmt aber tatsächlich. So haben die österreichischen Wirtschaftswissenschaftler Michael Kirchler und Stefan Palan in einer Studie Folgendes festgestellt: Kunden, die einen Döner kaufen wollten und schon vorher von seinem Geschmack schwärmten, bekamen in Imbissen 10 % mehr Fleischfüllung als solche, die sachlich-kühl bestellten. Auch in Eisdielen waren die Portionen nach einem freundlichen Kompliment größer als ohne.

Glücklichmachen macht glücklich

Über diesen (schon fast wieder berechnenden) Nutzen hinaus tut es mindestens genauso gut, freundlich zu SEIN wie Freundlichkeit zu empfangen. Auch das lässt sich wissenschaftlich bestätigen. Zum Beispiel anhand eines kalifornischen Uni-Forschungsprojekts unter der Leitung von Sonja Lyubomirsky: Hier hatten die Probanden die Aufgabe, fünfmal pro Woche etwas außergewöhnlich Freundliches zu tun – einem Obdachlosen einen Burger zu spendieren, einer alten Dame über die Straße zu helfen … Es zeigte sich, dass sich durch diese netten Aktionen das Befinden der Teilnehmer selbst messbar verbesserte. Und zwar umso mehr, je mehr dieser Aktionen kurz nacheinander stattfanden. Es entstand eine Art Kreislauf des Freuens, der durch positive Rückmeldungen verstärkt wurde.

Nett(er) haben wir’s hier!

Zu Hause. Mit unseren Freunden. Mit Kollegen, Kunden und Chefs. Und das können wir ruhig zeigen. Wieso also nicht einfach mal …

  • dem Kollegen Danke sagen für die tolle Zusammenarbeit – vielleicht sogar mal dem Chef?
  • Trinkgeld dort geben, wo es nur wenige tun, z. B. im Blumenladen oder an der Tankstelle?
  • einem/einer Fremden ein Kompliment für ein besonders schönes Kleidungsstück machen?
  • als Kunde an einer Telefon-Problemhotline bewusst freundlich sein? Schließlich weiß der am anderen Ende noch gar nicht, was los ist und kann auch meist nichts dafür.
  • dem Busfahrer in der Adventszeit mal ein bisschen Schoki rüberreichen?

Ihnen fällt sicher noch viel mehr ein. Feiern Sie schön!

Blümchen von Ihrer
Frau Mustermann

PS: Die Sache mit dem Hammer stammt von Autor Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein, Verlag Piper, München 1983

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