Großraumbüro mit einigen Mitarbeitern und offener Holzdecke

Big Business

New Work, neu formuliert: So klappt die Bürogestaltung mit Distanz.

Veröffentlicht am 25. Juni 2021

Zurück ins Großraumbüro? Ab Juli müssen Betriebe ihren Mitarbeitern keine Homeoffice-Möglichkeit mehr anbieten, viele Unternehmen bereiten jetzt ihre Räumlichkeiten für die Rückkehr der Teams vor. Viele freuen sich darauf, dass mit festen Arbeitszeiten und dem Kaffee unter Kollegen ein Stück Normalität aus der Vor-Corona-Zeit zurückkehrt – eine Normalität, die allerdings gewisse Anpassungen erfordert: „Back to normal“ sähe vielleicht anders aus, aber nicht unbedingt besser.

Holztisch mit vier farbigen Stühlen
Im Arbeitsalltag verändert sich vieles, und es wird sich weiter verändern. Das machen zahlreiche Unternehmen klar, die ihre Raumkonzepte jetzt neu überdenken, um mit der Umgestaltung der Arbeitsumgebung Teams und Kunden zukünftig ein gewisses Maß an Sicherheit zu geben. Abstand heißt das neue Thema – auch wenn wir’s eigentlich nicht mehr hören können.
Paradoxerweise hatte man sich zuletzt vielfach, ganz im Sinne der „New Work“-Idee, bemüht, eine gewisse Wohlfühlatmosphäre ins Büro zu transportieren. Man schuf mit Grünpflanzen, Kickertischen und gemütlichen Lounge-Ecken Anreize, länger im Büro zu bleiben. Man erkannte den Wert der Begegnung jenseits der vorgegebenen Termine und den der kreativen Pause im Arbeitsalltag, digitaler und persönlicher Austausch sollten sich im Idealfall ergänzen. Ein Ansatz, der bis heute seine Berechtigung hat – und mit der Pandemie vor unerwarteten Herausforderungen steht:
Neue Lösungen sind gefragt! Denn plötzlich soll nicht nur das Office zum Home werden, sondern auch das Home zum Office.

Voll auf Abstand: Google führt den Stuhlkreis wieder ein.

Der kalifornische Konzern Google geht mit gutem Beispiel voran. Hier arbeitet man jetzt mit sogenannten „Team Pods“ – kastenartigen Abteilen aus frei aufstellbaren Wänden und mobilen Einzelteilen, die für die nötige Distanz sorgen. Daneben gibt es Roboter, die in der Lage sind, zwei allzu enge Arbeitsplätze kurzfristig durch eine aufblasbare Wand voneinander abzutrennen. Einzelne Standorte haben mittlerweile auch Outdoor-Offices etabliert, die das Arbeiten in Zelten oder unter freiem Himmel ermöglichen. Bei Konferenzen dagegen setzt das Unternehmen auf „Campfire“-Räume, in denen sich die Mitarbeiter in einem klassischen Stuhlkreis gegenübersitzen. Den nötigen Abstand schaffen große Bildschirme zwischen den einzelnen Sitzplätzen, auf denen diejenigen zugeschaltet werden, die gerade von zuhause aus arbeiten.
Eine Idee, die Office- und Homeoffice-Mitarbeiter an einen Tisch bringt und den Teamspirit lebendig hält!

Bürodrehstuhl, schwarz

Markenbotschaften aus dem Homeoffice

Auch bei uns wird ein Teil der Belegschaft dauerhaft oder zeitweise nicht im Büro, sondern weiterhin im Homeoffice arbeiten. Aus der Ausnahme wird die Regel – und die besagt, dass auch diese Arbeitsräume ein gewisses Maß an Professionalität ausstrahlen sollten. Viele Arbeitgeber haben heute erkannt, dass sie – nicht zuletzt zum Ausgleich für die von ihren Homeoffice-Teams kostenlos gelieferten Internet-und Stromressourcen? – in der Pflicht stehen, zumindest einen Teil der Ausstattung gratis zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel ergonomische Stühle und professionelle Technik. Das damit geschaffene Upgrade fürs Homeoffice hilft nicht nur, besser und effizienter zu arbeiten: Es sorgt auch bei Videokonferenzen mit Kunden für einen repräsentativen Auftritt und macht so den Mitarbeiter im heimischen Arbeitszimmer automatisch zum Markenbotschafter.
Wird zudem ein Homeoffice-Ausstattungs-Anteil grundsätzlich von der Firma gestellt, kann das zum soliden Benefit im Employer Branding werden – und damit zum Top-Argument für potenzielle Bewerber.

Größer denken im Großraumbüro

Unsere Office-Rückkehrer dagegen, die bisher in großzügigen Büroumgebungen saßen, werden ihre Arbeitsumgebung idealerweise verändert vorfinden. Zwar lässt sich die (allzu) offene Bauweise von Großraumbüros, die schon vor der Pandemie vielfach in die Kritik geraten war, nicht von heute auf morgen umwerfen.
Dafür gibt es aber viele Ansätze, wie der Infektionsschutz auch in Räumen mit vielen Mitarbeitern gewährleistet werden kann – ohne dass man sofort auf Google-Niveau agieren muss.

Bürotisch mit vier farbigen Drehstühlen drumherum

Neuausrichtung im Office

Trennwände stehen dabei ganz oben auf der Liste: Sie dienen nicht mehr nur den Bildschirm-Arbeitenden als Sichtschutz, sondern auch als Abwehr gegen Tröpfcheninfektionen und dürfen gern höher ausfallen als bisher. Auch die Ausrichtung der Tische und Stühle wird überdacht; Sitzgelegenheiten werden unter Einhaltung der geltenden Mindestabstände günstigstenfalls so gedreht, dass Mitarbeiter mit dem Rücken zueinander sitzen. Dass in vielen Unternehmen ein Teil der Mitarbeiter regelmäßig aus der Ferne arbeiten wird, reduziert die Zahl der Menschen im Raum automatisch – und Planbarkeit macht die Sache einfacher: Wenn genau definiert ist, wer wann und von wo arbeitet, kann ein funktionierender „Schichtbetrieb“ etabliert werden, der für die nötigen Distanzen sorgt.

Übrigens: Der eigene Schreibtisch, der zuletzt in großen Unternehmen immer mal wieder zugunsten des Shared-Desk-Prinzips ohne festen Sitzplatz abgeschafft wurde, feiert aktuell sein Comeback!

Bad mit Fußmatte, auf der "Hände waschen" steht

Noch mehr Maßnahmen, die eine Rückkehr erleichtern:

Von Anfang an ein gutes Gefühl: Stellen Sie schon am Eingang Hygiene-Tools wie Desinfektionsspender bereit.

Sauberkeit kann man kaum übertreiben: Definieren Sie strenge Regeln für die Reinigung, an denen sich Teams und Putzdienst orientieren, und legen Sie Reinigungstermine engmaschig(er) fest.

Transparenz ist Trumpf: Integrieren Sie Plexiglasscheiben, wo viel Kundenkontakt besteht (z. B. am Empfang) oder wo sich Mitarbeiter gegenübersitzen.

Zum Auseinander- und Zusammenrücken in der Lounge: Bevorzugen Sie beim Kauf von Möbeln flexible Elemente, die eine individuelle Nutzung zulassen.

Fenster auf: Überprüfen (und nutzen) Sie alle Belüftungsmöglichkeiten.

Fortschritt im Freien: Halten Sie, wo es geht, Meetings auch mal draußen ab – z. B. auf der Dachterrasse und in anderen Außenbereichen. Auch der gemeinsame Spaziergang hat schon so mancher Kundenbeziehung auf die Sprünge geholfen!

Nicht alle müssen gleichzeitig Pause machen: Fördern Sie versetzte Arbeits- und Pausenzeiten, um die Personen-Dichte über den Tag zu reduzieren.

Lunch-to-go aus der Kantine: Ein Angebot mit zusätzlichen Lunchpaketen kann den mittäglichen Andrang vermindern.

Der eigene Tanzbereich: Befestigen oder kleben Sie Bodenmarkierungen um die einzelnen Arbeitsplätze, die den Mindestabstand sofort sichtbar machen.

Menschenansammlungen entzerren: Markieren Sie ggf. Schutzabstände und Wartezonen in Bereichen, in denen sich oft Personen treffen, z. B. in der Kantine, in Konferenz- und Empfangsräumen.

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