Ohne Worte

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Ohne Worte: Was unsere Körpersprache verrät.

Veröffentlicht am 27. September 2019

Eigentlich läuft es gut: Sie tragen Ihre Ideen vor. Sie schildern, was sich ändern müsste. Sie sind bestens vorbereitet für das Gespräch mit dem Vorgesetzten. Trotzdem schleicht sich langsam eine tiefe Verunsicherung ein – und das, noch bevor man überhaupt in die Diskussion eingestiegen ist: Mit Haltung und Gestik nämlich hat Ihr Gesprächspartner schon alles gesagt.

Zum Beispiel, indem er ständig mit dem Stift oder seiner Brille spielt, Sie kaum ansieht oder sich an Kopf oder Nase kratzt, während Sie reden. Oder indem er nebenbei Mails auf seinem Smartphone checkt ( – das zählt allerdings bereits zu schlechtem Benehmen). Oder, oder, oder … Die Körpersprache sagt oft mehr als viele Worte. Wir müssen sie nicht einmal lernen – wir verstehen sie unbewusst und automatisch.

Wir kommunizieren immer. Ob mit oder ohne Worte.

Unser Körper ist das Spiegelbild unserer Gefühle, Wünsche und Befindlichkeiten. Er drückt aus, ob wir uns über- oder unterlegen fühlen, ob wir nervös oder selbstsicher sind, ob wir unserem Gegenüber Sympathie entgegenbringen oder nicht. Was die nonverbalen Signale des Körpers gerade im beruflichen Umfeld alles bewirken können, ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach untersucht worden. Entsprechende Seminare für Fach- und Führungskräfte gehören längst zum Standard-Repertoire im Business-Coaching: Wer erfolgreich präsentieren, verhandeln, leiten oder einfach Karriere machen will, lernt, die eigene Körpersprache gezielt zu trainieren und einzusetzen. Zum Beispiel, um überzeugend zu verkaufen, als Führungspersönlichkeit wahrgenommen zu werden und siegreich aus Verhandlungen hervorzugehen – aber auch, um die Ziele des Gegenübers besser und schneller einschätzen zu können.

Power ist eine Haltung.

Überzeugen, kontrollieren, gewinnen – zugegeben, nicht alles davon klingt sympathisch. Wer aber seine Körpersprache beherrscht, hat auf der anderen Seite die Möglichkeit, schon damit ein positives Gesprächsklima zu schaffen. Denn bestimmte Signale entspannen berufliche Situationen zuverlässig: Dazu gehören die aufrechte Haltung, das (möglichst unverkrampfte) Lächeln, ruhige Bewegungen und natürlich der Blickkontakt mit dem Gegenüber. Dieser Blick sollte allerdings nicht länger als 3,3 Sekunden dauern – diese Zeitspanne wird laut Experten als angenehm empfunden.

So wird’s garantiert unangenehm.

Wie es aber auch laufen kann, weiß der eine oder andere aus eigener unangenehmer Erfahrung. Zum Beispiel, wenn man beim Personalgespräch jemandem gegenübersitzt, der sich mit hinterm Nacken verschränkten Händen in seinen Chefsessel zurücklehnt – und uns damit nicht nur seinen Bauch, sondern zugleich seine Geringschätzung zeigt. Die Steigerung: breitbeinige Haltung oder das betont lässige Platzieren der Füße auf der Tischkante. Kommt dann ein längeres unbewegtes Anstarren dazu (siehe 3,3 Sekunden-Regel!), können wir sicher sein, dass unser Gegenüber nicht nur ausgesprochen unerzogen, sondern auch sehr desinteressiert ist an dem, was wir zu sagen haben.

Tipps zur Haltung: Was bei wichtigen Gesprächen hilft.

Ob im Bewerbungsgespräch, bei der Gehaltsverhandlung oder einfach im direkten Austausch mit den Arbeitskollegen: Es tut gut, sich bewusst zu machen, wie sehr wir mit den nonverbalen Signalen unseres Körpers ein Gespräch steuern können. Von diesen Signalen gibt es unendlich viele! Lassen Sie uns hier ein paar davon festhalten:

Auf einem Niveau
Wer von oben herab schaut, wirkt überlegen, wer von unten hochguckt, nimmt eine Position der Schwäche ein. Höhenunterschiede machen also viel aus – und sollten bei Gesprächen auf Augenhöhe tunlichst vermieden werden.

Abstand, bitte!
Auch wenn bei Job-Gesprächen der Abstand oft durch Tisch oder Sitzgruppe vorgegeben ist: Die sogenannte soziale Distanz von 1,20 bis etwa 3,60 Metern sollte eingehalten werden, eine Überschreitung wird leicht als bedrohlich empfunden. Bei der Begrüßung oder Verabschiedung dagegen empfiehlt sich eine Distanz von etwa einer Armlänge.

Aufrecht bleiben
Wer aufrecht sitzt oder steht, wirkt selbstbewusst, ein gekrümmter Rücken und eingezogenen Schultern dagegen strahlen Unsicherheit aus. Übrigens: Die gerade Haltung erleichtert auch das Atmen und Sprechen!

Mit ruhiger Hand
Sich ins Gesicht zu fassen oder ständig an den Haaren oder der Halskette herumzufummeln wirkt unsouverän. Selbstverständlicher wirkt es, die Arme z. B. im Stehen bequem hinter dem Rücken zu verschränken oder einfach locker hängen zu lassen. Im Sitzen gehören die Hände entspannt auf den Schoß, die Armlehne oder den Tisch – aber keinesfalls verschränkt vor den Körper (es sei denn, Sie möchten sich von Ihrem Gegenüber distanzieren).

Finger weg!
Den erhobenen Zeigefinger einzusetzen wirkt oft autoritär und aggressiv. Das gilt auch für die sogenannte „Pistolen-Geste“ – besser ist es, sich die Sache mit dem Zeigefinger generell zu sparen.

Bitte lächeln
Diesen Hinweis bekommen sogar Callcenter-Mitarbeiter mit auf den Weg. Selbst ein nur vage angedeutetes oder halb verstecktes Lächeln hilft, sich selbst und seine Gesprächspartner sofort in eine entspanntere Stimmung zu versetzen!

Übrigens: Die meisten dieser Signale werden im mitteleuropäischen Raum gesendet und verstanden – in China oder Südamerika kann das schon völlig anders sein. So empfindet man zum Beispiel in Brasilien einen 30-cm-Abstand zum Gesprächspartner als völlig angemessen. Und in Japan gilt es als Zeichen von Höflichkeit und Bescheidenheit, dem Gegenüber beim Bewerbungsgespräch nicht in die Augen, sondern auf den Krawattenknoten zu sehen …

Am meisten überzeugt, wer authentisch bleibt.

Was manch einer auf teuren Coaching-Seminaren vergisst: Wir können zwar Körperhaltungen und Gesten üben, uns deren Wirkung bewusst machen und sie effizient für unsere Ziele einsetzen. Wenn diese Gesten jedoch aufgesetzt sind, unseren eigentlichen Absichten oder unserer Persönlichkeit widersprechen, bringt das alles nicht viel. Denn der Mensch nimmt unbewusst viel mehr Strömungen wahr, als wir lernen und wissen können: Unsere Antennen sind fein und melden, wenn innere und äußere Haltung nicht übereinstimmen!

Unsere Körpersprache zu beherrschen ist gerade im Job immens wichtig. Am weitesten aber kommen wir, wenn wir uns nicht für eine überzeugende Performance verbiegen oder verstellen: Harmonieren unsere verbalen und nonverbalen Signale, so wirken wir nicht nur glaubhafter, sondern auch sympathischer. Und auch das kann uns ja erfahrungsgemäß sehr weit bringen …

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