Lieblingsplatz Schreibtisch

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Ran an den Schreibtisch! Ein Lieblingsplatz räumt auf.

Veröffentlicht am 7. Februar 2020

An ihm wurde und wird Geschichte geschrieben. Dabei hat er selbst eine lange, wechselvolle Geschichte hinter sich: Der Schreibtisch war immer wieder Arbeitsplatz, Schmuckstück, Prestigeobjekt oder gar Machtinstrument für die, die an ihm saßen. Welche Funktion hat er in digitalen Zeiten?

Schreibtisch
Unsere Ordner befinden sich nicht mehr griffbereit auf der hölzernen Tischplatte, sondern klickbar auf dem Schreibtisch unseres Laptops. Und der kann wiederum überall sein: Das ist praktisch, spart Platz und Papier und macht uns so flexibel wie nie zuvor. Gleichzeitig erfreut sich der analoge Schreibtisch ungebrochener Beliebtheit – obwohl wir ihn als Arbeitsplatte und Aufbewahrungsort nicht mehr wirklich brauchen. Und das eigentlich zum ersten Mal in seiner Geschichte …

Vom Schreibbrett zum Laptop

Das Schreibbrett mitsamt Tintenfass, Feder und Papier auf den Knien, dazu Rückenschmerzen, die den Gedankenfluss der Gelehrten immer mal wieder blockierten: So sah die Schreibarbeit in der Antike aus.
Ist es Zufall, dass diese Haltung uns sofort an das Motiv „Digital Native mit Laptop auf dem Schoß“ erinnert, wahlweise auf dem Sofa oder gar im Schneidersitz am Strand? Den Schreibtisch als Alternative gab es damals allerdings noch nicht: Der wurde dann aus praktischen und gesundheitlichen Gründen im Mittelalter erfunden, indem man ein Gestell unter die Holzplatte montierte. Bis zum Laptop war’s allerdings noch ein weiter Weg.
Schreibtisch

Prunkstück des Hauses

Meisterstücke der Kunstschreinerei, gefertigt aus edlem Wurzelholz, ausgestattet mit vielerlei verzierten Schubladen und Geheimfächern: Das waren die Sekretäre der Gründerzeit, des Barock und Biedermeier.
Eher Schmuckstück als Arbeitsinstrument, war der Sekretär eine Art Statussymbol für alle, die auf sich hielten. Darüber hinaus war seine Kombination aus Schreibfläche und Staumöglichkeit ausgesprochen praktisch, um jede Menge Papiere, Kram und Schreibutensilien unterzubringen. Aktuell erlebt der Sekretär ein echtes Comeback: Weil die hochklappbare Arbeitsfläche auch das Laptop ruck-zuck verschwinden lässt? Oder weil er sich wohltuend verschnörkelt der allzu glatten Digitaltechnik entgegenstellt? Schön ist er allemal – egal ob antik oder modern.

Schreibtischtäter

Ein schwerer Eichenholz-Schreibtisch, dahinter ein Geschäftsführer von ähnlich eindrucksvollem Format, in respektvoller Distanz die Sekretärin mit dem Kaffee („Zwei Stück Zucker – wie immer, Herr Direktor?“): So sah die Macht aus, zumindest noch bis zum zweiten Weltkrieg.
Danach mochte man nicht mehr mit den Machthaben der Nazidiktatur in Verbindung gebracht werden, weshalb die ersten Schreibtische der Bundesregierung recht provisorischen Charakter hatten. Die Resopaloberflächen erinnerten eher an Küchenarbeit, und auch sonst war man funktional unterwegs. Mit dem Stil der 60er kehrte dann eine gewisse schlichte Ästhetik ein, bevor IKEA übernahm – danach wurde es irgendwann immer digitaler und alles sowieso anders.

Schreibtisch Toronto

Der Schreibtisch leert sich …

Seit den Achtzigern schafften immer mehr analoge Bürohelfer den Sprung von der Schreibtischfläche auf den Computer-Bildschirm, wo sie uns als Apps und Icons das Leben erleichtern: Der Taschenrechner, die Karteikarten, der Duden, die Kamera, der Kalender, die Zeitung, das Notizbuch … Selbst das Festnetz-Telefon, lange Zeit fester Bestandteil auf dem Büro-Schreibtisch, wird vielerorts durch Skype & Co. ersetzt. Und eigentlich brauchen wir für vieles nicht mal mehr ein Notebook, solange wir ein Smartphone an der Hand haben.

… und macht Platz für Neues!

Die Digitalisierung reduziert den Bedarf an analogen Schreibutensilien auf das absolut Notwendige. Dass der Schreibtisch trotzdem nie für entbehrlich erklärt wurde, ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Denn es gibt gute Gründe, an ihm festzuhalten:

1. Ich arbeite, also bin ich.

Und das will ich auch zeigen: Der Schreibtisch kann ein Zuhause sein, so individuell wie sein Benutzer. Clean Desk Policy ohne festen Schreibplatz? Auch davon haben sich viele Unternehmen schon wieder verabschiedet. Der Schreibtisch markiert unser Revier; mit seiner Gestaltung definieren wir, wer wir sind, wie wir arbeiten und auftreten. Auch mit der Auswahl sagen wir etwas aus: Im Barock präsentierte man stolz seinen noblen Sekretär, heute verweist man mit einem Schreibtisch in zeitgemäßer Puristik auf den eigenen guten Geschmack.
Schreibtisch Malmoe

2. Einrichten mit Schreibtisch

Wir haben immer weniger Unterlagen unterzubringen – und das nutzen die Designer heute für neue, flexible Formen der Gestaltung. Die Schreibtische sind leichter und offener geworden und passen sich damit ihrer Umgebung mühelos an: Sie werden mehr und mehr zum Design-Element, im Wohnzimmer ebenso wie im Office. Selten gab es eine so große Vielfalt von Form, Farbe und Material. Und das macht einfach Spaß!

3. Rückenfreundlich arbeiten

Das antike Schreibbrett wird digital? Hoffentlich nicht: Mit Laptop auf dem Schoß oder auf den Knien zu arbeiten ist alles andere als rückenfreundlich und sollte die Ausnahme bleiben. Aus nachvollziehbaren Gründen spielt der Stuhl bei der gesunden Schreibtischarbeit zwar die größere Rolle, schließlich sitzen wir drauf. Freunde des ergonomischen Arbeitens schwören jedoch auf kippbare Arbeitsflächen und Stehpulte (die es übrigens schon in den Klöstern des Mittelalters gab). Auch eine schöne Schreibtisch-Variante!
Schneider Notizbuch Filz

4. Die neue Lust an der Papeterie

Der kühlen Digitaltechnik stellt der Handel mittlerweile ein gigantisches Angebot an Papeterie-Artikeln und Büroausstattung entgegen: von feinziselierten Briefwaagen bis zu handgeschöpftem Reispapier, von Ressourcen schonenden Büro-Accessoires bis zu Notizbüchern in Kork, Filz oder Bambus. Produkte zum Anfassen, die auf den Schreibtisch gehören – und die heute auf eine große Nachfrage treffen.
Wie schön, dass dafür auf dem Schreibtisch endlich wieder Platz ist.

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