Trefft euch! Gestaltung im Großraumbüro

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Trefft euch! Praktische Tipps zur Bürogestaltung im New Workspace. (TEIL 2)

Veröffentlicht am 18. Oktober 2019

Neues Arbeiten bedeutet auch, Räume zu schaffen, in denen Begegnung stattfinden kann, finden die Verfasser des „New Workspace Playbook“: Den nötigen Austausch allein auf Meeting-Termine zu beschränken, wäre Verschwendung von Zeit, Möglichkeiten und kreativem Potenzial und widerspricht dem menschlichen Bedürfnis nach spontanem Dialog. In Teil 1 ging es um den „Marktplatz“ als einladenden Treffpunkt der Teams und Mitarbeiter. In Teil 2 werfen wir einen Blick auf das Thema Unternehmensidentität und die Gestaltungsmöglichkeiten eines „Open Space“ – auch Großraumbüro genannt.

Es gibt Unternehmen, für die eine wiedererkennbare Raumgestaltung schon deshalb eine große Rolle spielt, weil sie in sozialen Netzwerken gut zu transportieren ist. Und das sind keineswegs nur Branchenriesen wie Microsoft oder Google (dabei eroberte die legendäre Rutsche im Google-Büro sämtliche Netzwerke im Sturm): Das schwedische Unternehmen Mojang zum Beispiel gestaltete seine Innenräume so, dass man sich beim Anblick unwillkürlich in alte Mafia-Filme versetzt fühlt – und nahm damit direkt mal an einem vielbeachteten Architekturwettbewerb teil … Sicher ist: Die Raumgestaltung beeinflusst die Corporate Identity – und umgekehrt. Sie spiegelt Markenkultur und Image und wirkt damit nicht nur nach außen, sondern auch nach innen.

Die Büro-Umgebung prägt unser Job-Gefühl.

„Architektonische Elemente beeinflussen menschliche Wahrnehmungen auf vielen Ebenen“, fassen die „Playbook“-Autoren zusammen (1). Und wer würde das nicht unterschreiben? Eine komfortable und lebendige Büro-Umgebung vermittelt uns positive Gefühle: Sicherheit, Wohlbefinden, das Gefühl von Gemeinsamkeit und Stärke. Auch das kann Leistung und Loyalität entscheidend beeinflussen. Ein kaltes, lieblos und zweckmäßig möbliertes Großraumbüro hingegen tut wenig dafür, uns zu begeisterten, engagierten Mitarbeitern zu machen.

Sag mir, wo du arbeitest …

Das „Playbook“ weist hier auf zwei wichtige Aspekte hin: Zum einen geht es um Einheitlichkeit und ein klares Konzept, das die CI unterstützt. Selbst in seiner kleinsten Einheit soll sich – im Idealfall – die Firmenidentität widerspiegeln, so dass sich letztlich alle Stakeholder mit dem Unternehmen identifizieren.

Zum anderen müssen auch die Werte der Mitarbeiter Platz haben, und das am besten da, wo sie tagtäglich arbeiten. Sprich, die Teams sollten an der Raumgestaltung beteiligt werden – und zwar nicht nur bei jeder Renovierung, sondern dauerhaft. Das funktioniert zum Beispiel mit extra dafür vorgesehenen Räumen, Wänden oder Fluren, einer flexiblen Fotogalerie usw. Unterm Strich ergibt sich damit eine Umgebung mit ganz eigenem Charakter, der das Unternehmen und die Menschen darin spiegelt.

Open Space – öffnen ist nicht genug.

Mehr Kommunikation in den Büroräumen heißt zwar, dass das Einzelbüro zum Einzelfall wird. Trotzdem ist es mit dem Abbauen trennender Wände noch lange nicht getan: Es gibt genug Großraumbüros, die uns in ihrer wenig entwickelten Raumgestaltung wahlweise an Flughäfen oder Legebatterien erinnern. Gern hält sich hier keiner auf, schon garnicht nach Feierabend. Die Zauberformel heißt hier: Strukturieren und individualisieren!

Zalando in Berlin wird hier gern als gelungenes Beispiel herangezogen: Dort arrangierte man Arbeitsplätze, die sich in Form, Größe und Gestaltung vielfach unterscheiden, und unterteilte die Fläche geschickt durch offene Regale, Grünpflanzen und individuelle Lounge-Möbel. Die Mitarbeiter gestalteten aktiv mit – und können sich entsprechend mit ihrem Arbeitsplatz (und Arbeitgeber) identifizieren.

Tipps: Was Büros im Open Space lebendig macht.

Um im Open Space erfolgreich und mit Spaß arbeiten zu können, brauchen wir Abwechslung und Gemütlichkeit ebenso wie gute Beleuchtung und rückenfreundliche Stühle. Mit diesen drei Faktoren können wir hier schon viel erreichen:

> Abwechslung statt Gleichförmigkeit

Wer sagt, dass Schreibflächen und -tische einheitlich sein müssen? Mit Material, Größe und Farbe zu variieren – im Rahmen der CI – macht Spaß und den Raum viel schneller zur Wohlfühlzone. Auch Lounge-Bereiche zum Entspannen, Plaudern, Nachdenken oder stillen Arbeiten schaffen im Großraumbüro willkommene Nischen: Sie sorgen für den wohnlichen Touch.

> Grünpflanzen

Grün schafft Wohlbefinden! Und Pflanzen im Büro dienen schließlich nicht nur der Ästhetik, sondern auch der Gesundheit. Schon deshalb gibt es heute zahlreiche grüne Möglichkeiten, Büroumgebungen kreativ zu gestalten. (Wichtig dabei: Die Pflege muss geregelt sein – durch ein Bewässerungssystem oder jemanden, der verantwortlich ist.)

Große Zimmerpflanzen, zu kleinen „Wäldern“ arrangiert, bilden natürliche Oasen.

Grünpflanzen an der Wand funktionieren als lebendige Hingucker. Und die müssen nicht immer echt sein: Kunstpflanzen, gezielt ästhetisch positioniert, erleben schon länger ihre Renaissance …

Die Kakteensammlung ist gerade schwer in Mode und braucht wenig Pflege. Warum also nicht mit kleinen Stachel-Arrangements liebenswerte Stillleben kreieren?

> Raumteiler

Raumteiler schaffen Struktur und Orientierung. Es müssen aber nicht die ewig gleichen weißen Regale sein, mit denen wir den Raum in Teilbereiche gliedern: Abwechslung in der Form und Arrangement der Elemente ist auch hier Trumpf. Wichtig ist die Höhe – nicht zu hoch, sondern eher im hüft- oder brusthohen Bereich sollte es sein, so dass man im Stehen immer noch den Überblick hat. Als Raumteiler bieten sich zum Beispiel an:

Bibliotheken. Bücher geben vielen von uns ein wohliges Gefühl von Stabilität. Eine „Mini-Bibliothek“ mit guten Fachmagazinen als strukturierendes Raumelement lädt zudem immer wieder zum Austausch ein.

Flexible Wände. Wo agiles Arbeiten an der Tagesordnung ist, sind Arbeitswände unverzichtbar – und die einfachsten und beweglichsten Raumtrenner von allen.

Bodenbeläge. Ein farbiger Teppich oder eine warme Holzfläche eröffnen in einem Raum sofort neue Teilbereiche, definieren separate Nischen oder Lounge-Ecken.

Große Pflanzbottiche. Grüne Raumteiler, die das Wachstum des Unternehmens in Szene setzen …

Spiel-Plätze im Büro: Pausen gehören zum Arbeitsprozess.

Sport, Spiel und Gemütlichkeit tun ein Übriges, um den Arbeitsraum ein wenig mehr zum Lebensraum zu machen – die „Playbook“-Gestalter sprechen hier von „Wellbeing“. Und fordern uns auf, die Arbeitsumgebung auch in Hinsicht auf gelegentliche Unterbrechungen im Workflow attraktiv zu gestalten: „Beim neuen Arbeiten wird nicht mehr so streng zwischen Konzentration und Müßiggang unterschieden.“ (2) Konsequenterweise finden sich daher auch zahlreiche Anregungen zur Raumgestaltung dieser Auszeiten, vom Playground bis zu textilen Tipps.

Ebenso hilfreich: Das „New Workspace Playbook“ stellt Raumkonzepte für unterschiedliche Arbeits- und Organisationsformen vor. Teamarbeit? Agilität? Kreativ-Workshops? Mit ganz konkreten Gestaltungsideen lässt sich die jeweilige Arbeitsform fördern und unterstützen. Reinschauen und inspirieren lassen!

Ein Großteil der Ideen und Anregungen ist dem „New Workspace Playbook“ entnommen. Es liefert Einsichten zum Thema und ist vor allem eine praktische Anleitung für alle, die ihre Büroumgebung in Hinblick auf die Erfordernisse zeitgemäßen miteinander Arbeitens überprüfen, weiterentwickeln oder ganz neu gestalten wollen:
„New Workspace Playbook: Das unverzichtbare Praxisbuch für neues Arbeiten in neuen Räumen“ von Dark Horse Innovation, erschienen im Mai 2018 im Murmann Verlag.

(1) „New Workspace Playbook“, S. 125
(2) „New Workspace Playbook“, S. 85

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