New Workspace Playbook: Gestaltungs- und Raumkonzepte fürs Neue Arbeiten

Big Business | Insights

Trefft euch! Über Raum- und Arbeitskonzepte im New Workspace. (TEIL 1)

Veröffentlicht am 11. Oktober 2019

Wie möbliere ich Räume, die zum Bleiben und Austauschen einladen? Was braucht ein guter „Marktplatz“ und was nicht? Das aktuelle New Workspace Playbook aus Berlin bringt praxisnah wie kein anderes Werk die Erfordernisse des neuen Arbeitens auf den Punkt, macht sie greif- und umsetzbar. In zwei Teilen stellen wir die wichtigsten Punkte vor.

Der Name sagt es schon – Teamarbeit findet im Team statt. Dazu braucht es Kommunikation, Brainstorming, einen zufälligen Plausch in der Kantine … Ohne Austausch läuft eben nicht viel. Und der passiert nicht immer am Schreibtisch und in den dafür vorgesehenen Meeting-Räumen, sondern oft irgendwo dazwischen. Mit diesem Dazwischen setzen sich die Autoren des New Workspace Playbook (1) auseinander – und zeigen, wie Unternehmen das Arbeiten in digitalen Zeiten effizient, zeitgemäß und vor allem menschenfreundlich gestalten können.

Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen.

Die Digitalisierung hat unsere Arbeitswelt unwiderruflich umgekrempelt – wir müssen immer weniger Routinen am Schreibtisch abarbeiten und sind gleichzeitig vor immer komplexere Aufgaben gestellt. Gefragt sind Teamwork und Kommunikation, flexible Problemlösungs-Strategien und Kreativität: Die persönliche Kommunikation im Arbeitsbereich ist wichtiger denn je, trotz E-Mail, WhatsApp, Skype & Co. Dass damit unsere Arbeitsumgebung zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die logische Konsequenz. Hinzu kommt, dass auch das Wohlbefinden im Job immer relevanter wird, wie wir selbst kürzlich beim Thema „Mitarbeiter halten“ feststellen konnten. Die Playbook-Verfasser konstatieren sogar, die Tendenz gehe dahin, das Arbeiten zu „verlebendigen“. Vielfältige Gründe also, der Gestaltung dieser Arbeits- oder auch Kommunikationsräume besondere Beachtung zu schenken.

Neue Räume für den Dialog unter Mitarbeitern.

Ein funktionierendes Unternehmen braucht Orte der Begegnung: So oder so ähnlich lässt sich die Quintessenz auf den Punkt bringen. Im Idealfall sorgen diese Begegnungs-Orte für ein kreatives, produktives und lebendiges Miteinander – ein Ergebnis sorgfältiger und detailreicher Planung. Viele bekannte Beispiele zeigen mittlerweile, dass das Konzept aufgeht, von den ZALANDO Tech Headquarters in Berlin bis hin zur Lufthansa Technik in Hamburg.

Gemütliches Kaffeetrinken und produktives Arbeiten – passt gut zusammen!

Dass solche Räume fast immer mit Essen und Trinken zu tun haben, überrascht nicht, schließlich entstanden zu allen Zeiten die besten Ideen beim Essen, beim Kaffee oder einem Glas Wein. Für viele ist das schon lange kein Widerspruch mehr. Andere tun sich schwerer mit dem Konzept des Neuen Arbeitens: Gerade in sehr traditionellen Unternehmen gilt es zunächst klarzumachen, dass es keinesfalls darum geht, die Arbeitszeit ab sofort bei Latte Macchiato und dem neuesten Büroklatsch zu vertrödeln oder am Kickertisch die Zeit totzuschlagen. Sondern darum, einladende Orte zu schaffen, an denen sich Mitarbeiter gern niederlassen und austauschen – auch, um mal über den Schreibtischrand hinaus zu denken.

Teeküche, Kaffee-Ecke & Co.: Warum sie als Orte der Begegnung oft nicht taugen.

Über eine Teeküche oder Küchenecke verfügen die meisten Betriebe, größere sogar über mehrere. Aber genau da hakt es häufig: Wo jedes Team seine eigene kleine Teeküche betreibt, kann schwerlich teamübergreifender oder gar interdisziplinärer Austausch stattfinden. Man kennt sich oft in- und auswendig – das ist zwar kuschelig, aber nicht inspirierend. Für einen längeren gemeinsamen Aufenthalt sind solche Räumlichkeiten zudem zu klein und nicht gemütlich genug. Zu groß gibt’s aber auch: Denken wir nur an Kantinen mit Wartehallen-Charakter oder an Festsäle, in denen wir instinktiv nach Bekannten suchen, mit denen dann schützende Kleinstgruppen gebildet werden. Die Playbook-Verfasser nennen das den Dunbar-Effekt.(2)

Steve Jobs plante um die Toiletten herum.

Wird neu geplant, so sollte das Herzstück des Mitarbeiter-Austauschs also ein Treffpunkt sein, der schon logistisch unterschiedliche Bedingungen erfüllt: Nicht zu groß, nicht zu klein, für alle gut erreichbar. Idealerweise ist das eine Art Verkehrsader, in der sich im Büro die Wege der unterschiedlichen Teams und Abteilungen zwangsläufig kreuzen, am besten mehrmals am Tag.
Da, wo jeder mal hin muss – das war auch Steve Jobs‘ Gedanke bei der Planung des Pixar-Hauptgebäudes. Der Apple-Gründer erklärte die Fläche um die Toiletten zum meistfrequentierten Ort im Unternehmen und plante den Campus zunächst um eine zentrale Toilettenanlage herum. Schließlich würden sich hier zwangsläufig – sozusagen auf natürlichem Wege – jede Menge Begegnungen ergeben!

Kurzgefasst: Was ein Treffpunkt braucht.

Die meisten Unternehmen, die ihre Arbeitsräume nach diesen Prinzipien geplant und gestaltet haben, entschieden sich für eine Art Café an zentraler Stelle im Unternehmen. Ein Treffpunkt, der jedoch keinesfalls als Café betitelt werden, sondern eher als „Work Lounge“, damit sofort klar ist: Hier wird nicht bei Kaffee und Kuchen herumgelümmelt, sondern produktiv gearbeitet! Was die so geplanten „Marktplätze“ zu funktionierenden Treffpunkten macht:

Unterschiedliche Bereiche. Zum Diskutieren, Lesen, Mails schreiben, Entspannen … Empfohlen werden u. a. helle Abschnitte mit Stehtresen, Hochlehner-Sofas zum Mails schreiben und Ecken mit gemütlichen Sesseln. Da darf’s dann ruhig mal ein bisschen plüschig werden!

Warme, holzlastige Materialauswahl. Die kühle Möblierung aus Stahl und Glas, mit der man in den 80ern gern Coolness und Erfolg verband, ist endgültig out. Ein Wohlgefühl dagegen vermitteln warme Töne und haptische Materialien – Holz ist das wichtigste.

Einladende Farbgestaltung. Ganz clean und Weiß-in-Weiß – das finden die meisten höchstens beim Zahnarzt gut. Zum Wohlfühlen gibt’s Farben, und die sollten harmonisch aufeinander abgestimmt sein.

Detailreiches, gemütliches Styling. Damit es gemütlich wird, darf gern auch kleinteilig dekoriert werden. Aber bitte mit Stil!

Höhenverstellbare Möbel. Sie sind so flexibel wie ihre Nutzer – und zum Plaudern und Chillen ebenso geeignet wie für die Arbeit am Laptop.

Ganz wichtig (natürlich): WLAN und Stromanschlüsse überall!

Punktuelle Beleuchtung. Spots setzen einzelne Bereiche gekonnt in Szene, dekorative Hängeleuchten definieren gemütliche Ecken.

Übrigens: Auch der Empfangsbereich lässt sich häufig zu einem solchen Treffpunkt umfunktionieren oder ergänzen – schließlich muss hier jeder mal durch …

Demnächst im Schneider Blog zu lesen: TEIL 2
Trefft euch! Praktische Tipps zur Bürogestaltung im New Workspace.

(1)
„New Workspace Playbook: Das unverzichtbare Praxisbuch für neues Arbeiten in neuen Räumen“ von Dark Horse Innovation, erschienen im Mai 2018 im Murmann Verlag
(2)
„New Workspace Playbook“, S. 34-35: „(…) Der britische Psychologe Robin Dunbar beschreibt diese kritische Gruppengröße mit der sogenannten Dunbar-Zahl, hergeleitet von der Anzahl an Personen, mit der wir als Einzelpersonen „umgehen“ können, zu denen wir eine Beziehung aufbauen können. Oder, anders gesagt: Die Dunbar-Zahl beschreibt die Anzahl an Personen, die wir zufällig in der Bar auf einen Drink treffen könnten, ohne dass es peinlich wäre. Diese Zahl liegt zwischen 100 bis 250 Personen, je nach Untersuchung. (…)“

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